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Danube River Cruises

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2008 - Die Donau bewegt
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Der Tübinger Radiojournalist Thomas Hagenauer  schreibt über Erlebnisse und Begegnungen an der Donau, die ihn seit vielen Jahren beschäftigt und in ihren Bann gezogen hat. Diese Beschäftigung fand nicht nur am Schreibtisch, in Museen  oder in Archiven statt, die Donau hat ihn selbst und auch viele andere animiert, sich an ihren Ufern oder gar auf ihr selbst zu bewegen. Dabei war und ist durchaus Bewegendes zwischen Schwarzwald und Schwarzem Meer  zu erleben.

 

I. Kleine Fluchten und große Reisen

Nebel im Neckartal, Nebel auf der Schwäbischen Alb. Erst als der Regionalexpress Ulm erreicht, erste Lichtblicke. Ein Montagmorgen, der die Aussicht bietet, einem Sitzungsnachmittag, der sich unvermeidbar in die Urlaubswoche geschoben hat, doch noch eine gewisse Genusskomponente in Form einer kleinen Radausfahrt donauabwärts vorzuschalten.

Ich sinniere über die Herausforderung über die bewegende Donau zu schreiben. Über 2 800 Kilometer lang, mit unzähligen Städten, Landschaften, Ländern und Menschen an ihren Ufern, dazu Wander- und Radwege, auf denen es sich bewegen lässt, nicht zu vergessen den Wasserweg Donau selbst - es wäre mehr als eine Lebensaufgabe, all das zu beschreiben, was sich an diesem großen europäischen Strom erwandern, erradeln oder erpaddeln ließe.

Deshalb hier nun eine Reihe persönlicher Erlebnisse, die kombiniert und ergänzt werden durch Informationen, die andere Donaureisende oder Tourismusorganisationen beigetragen haben. Das Ganze ist gedacht für Menschen, die mit Bewegung nicht unbedingt Leistungssport verbinden, und die wissen, dass körperliche Bewegung oft seelisch - geistige Beweglichkeit und Bewegtheit fördert und beides dem Menschen gut tun kann.

Zurück auf den immer belebten Ulmer Bahnhofsvorplatz. Jetzt die freudige Gewissheit, im Osten, also in Richtung Passau, Wien, Schwarzes Meer, da lockt blauer Himmel mit luftig leichtem Gewölk, und das bedeutet: Mit einer ganzen Reihe anderer Radler, die sich da auf dem Platz tummeln, kurve ich, verlässlich von Hinweisschildern geleitet, über, unter und vorbei an vierspurigen Straßen und Schienenschnellwegen ans Donauufer.

Was für ein Gefühl, jedes Mal und immer wieder, an diesen Fluss zu gelangen, noch dazu an so einem klaren Vormittag. Die Ulmer Stadtsilhouette - mittelalterliche Stadtmauer, Metzgerturm, Münster (der höchste Kirchturm der Welt) -  ziehen vorbei. Richtung Günzburg zu radeln, habe ich mir vorgenommen, einen Donauabschnitt, den ich noch nicht kenne.

Einen der Radler vom Bahnhofsvorplatz sehe ich vor mir, schwer bepackt macht er sich auf. In flottem Tempo lassen wir morgendliche Jogger, hundeausführende Herrchen und Frauchen hinter uns, und irgendwann, nach ein paar Kilometern müssen wir absteigen, weil der Donauradweg durch eine Baustelle unterbrochen ist, und wir kommen ins Gespräch.

Er, Lawrence S. aus London, ist bereits seit zwei Wochen unterwegs, sein Ziel: Istanbul. Er hat sich eine Art Auszeit genommen, seine Arbeit bei der Einwanderungsbehörde war zermürbend, Bewegung, neue, andere Horizonte waren dringend notwendig. Meine eigene `kleine Flucht` vor einem möglicherweise grauen Sitzungstag wirkte bescheiden dagegen.

Grundcharakter und Begleitmusik aber waren gleich. Da floss, rauschte, plätscherte die Donau, und fasziniert von der Vorstellung, ihr zu folgen, redeten wir über mögliche Tagesziele für ihn, den long - distance - traveller,  redeten über die schneebedeckten Schwarzwaldstraßen, auf denen er an diesen Fluss gelangt war und die Hoffnung auf viel Sonne. Sonne an diesem Vormittag, Sonne aber auch für seine weitere Reise, ob bis Donauwörth, möglicher Ankerplatz für  diesen Tag oder Sonne bis an die Brücke zum Orient, den Bosporus, den er ja erreichen wollte.

Beschleunigt und ein wenig beflügelt - fast von allein scheinen jetzt unsere Räder durch vorfrühlingshafte, lichte Auwälder zu rollen - erreichen wir Günzburg und ungeplant aber folgerichtig für eine echte Donau - Begegnung finden wir uns auf dem sonnen - beschienen Marktplatz ein. Gibt`s was schöneres als einen zartbitteren Cappuccino, Kaffee, Mokka,  mit gekonnt aufgeschäumter Milchhaube in donauharmonischer Begegnung zu schlürfen und im Anblick einer von der Vormittagssonne beschienen barocken Stadt das Glücksgefühl zu genießen, sich diesen Ort selbst, mit eigener Muskelkraft  `erarbeitet` zu haben. Wir tauschen (im 21. Jahrhundert e-mail-) - Adressen aus und werden uns am Ende dieser Donaubetrachtungen wieder treffen.

 

II. Im Rhythmus des Wassers

Vielleicht sind es ja Flüsse, Ströme oder fließende Gewässer überhaupt,  die die Menschen anregen, sich auf Reisen - gedankliche oder tatsächliche - zu begeben. Das Fließen des Wassers ist gleichzeitig Bewegung, aber - abgesehen von Hoch- oder Niedrigwässern - auch Ruhe, eben weil es eine konstante, meist nicht allzu schnelle Bewegung ist, mit der ein Fluss oder ein Strom sich fortbewegt.

Flüsse also laden ein, ihrem Lauf zu folgen: Entweder geht es in Richtung der Mündung, also eines Meeres oder eines anderen Flusses, jedenfalls des Zieles der Reise des Wassers. Oder sie animieren den Reisenden, die Gegenrichtung einzuschlagen, dorthin also, wo sie den Ursprung, die Quelle vermuten. Flussreisen also - ob real oder virtuell - beinhalten gerne eine gute Portion Symbolik.

Die Donau nun ist nicht nur ein ziemlich langer Strom, sie ist auch ein ganz besonderer und höchst bewegender Fluss. Zum einen, weil sie DIE europäische West - Ost - Verbindung schlechthin ist, zum anderen weil entlang ihres Laufes durch heute insgesamt zehn Nationen sich eine wohl einmalige Fülle von Zeugnissen europäischer Kultur und Geschichte aufreihen lässt, dazuhin aber auch gegenwärtige und zukünftige Möglichkeiten, für die Menschen eines immer größer werdenden gemeinsamen Europas sich aufeinander zu zu bewegen.

An dieser Stelle sei ein zweiter Reisender aus England eingeführt, dem der Lauf der Donau Wegweiser für ein gutes Stück einer großen Reise war: Patrick Leigh Fermor, 93 Jahre als, seit vielen Jahren in Griechenland, auf dem Peloponnes zuhause, war 1933 als 18 - jähriger aus London aufgebrochen, zu Fuß, mit Ziel `Byzanz`, also Konstantinopel oder Istanbul. Seine damalige Situation: Heute würde man sagen, er war ein Schulversager. Dieses aber,  nicht weil er unintelligent war, es war eher eine Mischung von Nicht - Angepasstheit, Pech, vielleicht auch Faulheit in für Schulkarrieren wichtigen Fächern, und eine gewisse Neigung zum Genießen,  die dazu geführt hatte, dass ihm eben nur noch die Wahl blieb zwischen militärischer Ausbildung in der Kadettenanstalt und dem, was er dann auch tat, nämlich einfach losziehn. Nur mit einem Rucksack als Gepäck gings per Schiff nach Holland, dann zu Fuß, zuerst den Rhein entlang und dann lange, lange an den Ufern der Donau durch das sich dramatisch verändernde Europa des Jahres 1933.

Die Leser von Fermors erst jetzt Band um Band in deutscher Sprache erscheinenden Reiseerinnerungen werden mitgerissen, von der Neugier und Offenheit des jungen Reisenden, werden zu Mitwanderern auf dieser Reise ins Herz des alten sehr stark von Habsburg geprägten Mitteleuropas. ` Alles schien uralt und zugleich auch nagelneu und ganz und gar fremd...da begriff ich, wie außerordentlich die Gegenden waren, durch die ich gekommen war.....`, ein Zitat, des großen Reisenden.  Und wenn heutige Donauwanderer durch die ehemaligen K & K - Länder, aber auch die ehemaligen Länder auf der östlichen Seite des Eisernen Vorhangs reisen, so sind sie eben auch heute gleichzeitig in der Vergangenheit , der Gegenwart und der Zukunft.

Der Lauf der Donau markiert auch die verschiedenen Stufen der EU - Erweiterungen und ist damit auch ein Symbol für eine größer und vielleicht auch selbstbewusster werdenden europäischen Gemeinschaft, also auch ein Europa in Veränderung, in Bewegung.



 
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