| 2003 - "Mythen, Märchen und Menschen" |
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Page 11 of 11 Die Bewohner des flachen Landes identifizierten die Naturerscheinungen mit der Fürstentochter Délibáb, die aus Liebeskummer sterben musste und nun als weinendes Spiegelbild über die Ebene geistert und Wanderern gespenstische Landschaften vorgaukelt. Viele Stromkilometer weiter südöstlich, am Eingang zu Kazanenge, werden wir mit einer weiteren Frauentragödie konfrontiert. Wie ein Warnzeichen ragt zu Beginn der Stromschnellen der Babakajifelsen aus dem Wasser. Allein der Klang des Wortes versetzt einen in den Orient. Babakaji, eine türkische Donau-Loreley, wurde von ihrem Mann, dem für die Sicherung der Katarakte zuständigen Pascha auf dem Felsen ausgesetzt, weil sie mit einem ungarischen Kriegsmann ein Verhältnis hatte. Über das Ende der Liebesaffäre ist die Fama geteilter Meinung: Entweder hat sich Babakaji klagend zu Tode gesungen oder sie wurde von ihrem strahlenden Ritter erlöst. Je weiter die Donau in Richtung Schwarzen Meer vordringt, desto mystischer wird sie in ihrer unendlichen Weite, im trägen Fluss und schließlich im Dschungel des Deltas. Da unten ist ihr noch ein Dichter erwachsen, Panait Istrati, 1884 - 1935) aus Braila, der Sohn eines griechischen Schmugglers und einer rumänischen Bauerntochter. Wie ein arabischer Märchenerzähler schrieb er die Geschichte von der schönen Kyra Kyralina und vom Bauernaufstand 1907, bei dem ganze Dörfer im Baragan, der rumänischen Donautiefebene, von der Artillerie zusammengeschossen wurden. Geschichten über Geschichten, traurige und freudige, die Donau selber spinnt ihre Epen, trägt sie dem Meer zu und lädt uns ein zur Reise ins grenzenlose Reich der Imagination, der unbegrenzten Einbildungskraft der Völker und Menschen. ERNST TROST, geboren 1933 in Graz ist einer der besten Kenner der Donau, wie er in vielen Büchern, Reportagen und Kolumnen -in der Kronenzeitung - bewiesen hat. |
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