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2003 - "Mythen, Märchen und Menschen" |
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Je breiter die Donau wird, desto gewaltiger und mächtiger ist sie. Der Strom zieht die Menschen an, fasziniert sie, bestimmt oft Dasein und Existenz der Uferbewohner, bringt ihnen Nutzen, aber auch Verheerungen, wenn sie aus ihrem Bett tritt, und in manchen Fällen gar den Tod. Und Ehrfurcht, Bewunderung und Freude an der Schönheit des ständig fließenden Wassers mischen sich mit Furcht und Bangen. Der Strom führt ein Eigenleben und darum verliehen und verleihen ihm die Bewohner seiner Gestade gerne menschliche Gestalt, als Mann oder als Frau. Manchmal erfährt so ein Wasser sogar eine Geschlechtsumwandlung. So wurde nach dem Ersten Weltkrieg auf Anregung des italiensichen Dichters Gabriele D'Annunzio die Piave zu dem Piave. Weil an dem Fluss im Veneto 1918 die letzte österreichisch-ungarische Offensive gescheitert war, fand der schwärmerische Poet, dass diese durch den Krieg mythisierte Heldengewässer nur männlich sein dürfte. Und seitdem sagt man korrekt "der Piave".
Die Donau hat heutzutage für uns allein schon von der Sprache her eher weibliche Tribute. Dabei entdecken wir den römischen Danubius auch noch in Wien, gegenüber der Staatsoper an der Albertina. Da steht er als Hauptfigur des 1869 von Johann Meixner geschaffenen Danubius-Brunnen, und in den Nischen an seiner Seite wachen weiße Damen aus Carrara-Marmor, die Save und die Theiß. Ebenfalls Donaunebenflüssen in Form allegorischer Bleigussfiguren finden wir hingeräkelt am Brunnenrand des Barockkleinods Raphael Donners am Neuen Markt: Die Ybbs als jugendliche Quellennymphe, die March als reife Frau, die Traun dagegen als einen fischenden Jüngling und die Enns als greisen Fährmann. Die imposante Göttin, die den Brunnen krönt, ist allerdings nicht die Donau, sondern Providentia, die Für- oder Vorsorge. Die Donau treffen wir endlich am Austria-Brunnen auf der Freyung an. 1844-1846 schuf der Münchener Bildhauer Ludwig Schwanthaler diesen patriotischen Wasserspeier, der die Größe und Weite der damaligen Monarchie spiegeln sollte - unter anderem durch die Statuen von Po, Elbe, Weichsel und eben der Donau. Dazu ein amüsanter Alltagsmythos: In den aus München gelieferten Figuren sollten geschmuggelte Zigarren versteckt gewesen sein, und die Schmuggler fanden keine Gelegenheit mehr, sie sich zu holen. Bei der Restaurierung 1985 fand sich jedoch in keiner der Skulpturen der verborgener Schatz.
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