| 2003 - "Mythen, Märchen und Menschen" |
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Page 10 of 11 Im Nibelungenlied baut der Mythos auf weltgeschichtliches Geschehen im Donauraum. Aber jedes Land und jede Stadt und jedes Dorf am Strom bewahrt seine eigene Überlieferung und gießt mehr oder weniger bedeutende Ereignisse in die Form lokaler Sagen. Die bizarren Formen der Ufermauern im Weltenburger Donaudurchbruch wurden von der Phantasie der Menschen belebt, da erkennt man plötzlich in den Felsen den bayerischen Löwen, eine steinerne Lutherkanzel, ein küssendes Brüderpaar, einen Bischofskopf. Und der Mühlhiasel, der unheimliche Seher aus dem Bayerischen Wald prophezeite den Menschen zwischen Böhmen und der Donau um 1800 kommende Kriege und Seuchen und Tod, "wenn die Bauersleut die Hennen- und Gänse selber fressen und die eiserne Straß über die Donau herüberkommt, wenn d'Leut in der Luft fliegen können, wenn die Wägen ohne Roß und Deichsel fahren, wenn der Hochwald ausschaut wie dem Bettelmann sein Rock, wenn man Sommer und Winter nicht mehr auseinander kennt, dann ist's nimmer weit hin." Das passt gut zu der Gesellschaft von Geistern und anderem Spuk in den diversen Burgen über der Donau und zu den Geschichten von wundersamer Rettung aus den reissenden Fluten des Greiner Strudels oder aus der Türkennot. Auf der donauländischen Märchenbühne treten schwimmtüchtige Wassergeister auf, Raubritter, die den Strom mit Ketten sperren, und gewöhnliche Räuber ohne Adelstitel. Und bei Pressburg kommen die Räuber aus den Kleinen Karpaten und man erzählt sich noch, wie aus der Donau Gold gewaschen wurde. Ungarns Nationaldichter Sandor Petöfi besang die Tiefebene, "die, vom Arm der Donau und der Theiß umschmiegt, wie der holde Säugling lächelnd in den Armen seiner Mutter liegt. In seinen Versen stampfen Rinderherden, sprengen Pusstahirten auf schnellen Pferden über die Steppe und "fern am Horizont schwebt die Fee..." Er meint damit die Fatahmorgana, wie man sie in der Puszta erleben kann. |
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