| 2002 - "Die Donau und Europa" |
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Page 2 of 16 Donaugeist Wo der Geist strömt... von Ernst Trost "Rustschuk war ein alter Donauhafen und war als solcher von einiger Bedeutung gewesen. Als Hafen hatte er Menschen von überall angezogen, und von der Donau war immerwährend die Rede. Es gab Geschichten über die besonderen Jahre, in denen die Donau zufror; von Schlittenfahrten über das Eis nach Rumänien hinüber; von hungrigen Wölfen, die hinter den Pferden der Schlitten her waren.." Ein Nobelpreisträger, für Literatur, erinnert sich seines Geburtsortes an der unteren Donau: Elias Canetti. Im bulgarischen Russe, Rustschuk war der türkische Name, ist der Schriftsteller 1905 zur Welt gekommen, als Sohn wohlhabender spaniolischer Juden. Und hier lernte Elias von frühester Kindheit an das donauländische Völkergemisch und dieses befruchtende Nebeneinander vielfältigster Kulturen und Sprachen, Sitten und Bräuchen, Gedanken, Religionen und Ideen kennen. "Es wird mir schwerlich gelingen, von der Farbigkeit dieser frühen Jahre in Rustschuk, von seinen Passionen und Schrecken eine Vorstellung zu geben. Alles was ich später erlebt habe, war in Rustschuk schon einmal geschehen. Die übrige Welt hieß dort Europa, und wenn jemand die Donau hinauf nach Wien fuhr, sagte man, er fährt nach Europa, Europa begann dort, wo das türkische Reich einmal geendet hatte." Auch Canetti ist diesen Weg nach "Europa" gegangen, und der Strom war die Verbindungslinie für größere und kleinere Geister, die vorgezeichnete Route ins Herz, ins Zentrum Europas, in die Kaiserstadt Wien. Gegen die Strömung und mit ihr wurden Menschen und Botschaften transportiert, vom Schwarzen Meer zu den Ausläufern der Alpen und in der anderen Richtung vom Schwarzwald zu den Praterauen. Den ständigen Fluss der Wellen vor Augen, und die Schiffe samt den bunten Scharen, die sie trugen, all das regte die Donauanrainer an, zu denken, in Bewegung zu bleiben, und neue Ziele zu suchen. |
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