| 2002 - "Die Donau und Europa" |
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Page 5 of 16 Auch gebildete Rumänen in den DonaufÜrstentÜmern, aber noch mehr in SiebenbÜrgen und im Banat, nahmen die Ideen der Aufklärung, die sie da aus dem Westen Über die Donau erreichten, gierig auf. Und begabte junge Kleriker der unierten, also rumänisch/katholischen Kirche wurden zum Studium nach Wien und nach Rom gesandt. Dort bestaunten die Theologiestudenten die Trajansäule, die ja unter anderem wie in einem Comicstrip Donaugeschichte erzählt. Und es fiel ihnen auf, dass von allen auf römischen Reliefs weiterlebenden "Barbaren" nur ihre dakischen Vorfahren fÜr den Verkehr mit den Römern keine Dolmetscher brauchten. Sie entsannen sich so ihrer lateinisch?romanischen Vergangenheit, und kirchliche Sprachforscher deckten die Zusammenhänge des Walachischen mit dem klassischen Latein auf, und sie schrieben Grammatiken, säuberten die Sprache von slawischen Überwucherungen propagierten die lateinische Schrift und setzten die linguistische Markenbezeichnung "Rumänisch" durch. Wieder wurde die Sprache zum Keim der Nation und der Eigenstaatlichkeit. Im Sinne ihres lateinischen Erbes orientierten sich die Rumänen jedoch bald vornehmlich nach Frankreich, pflegten französische Kultur, und ihre Intellektuellen und KÜnstler zog es nach Paris, und viele machten dort Karriere, wie der dadaistische Dichter Tristan Tzara, der Bildhauer Brancusi, der Dramatiker Ionesco und der Religionswissenschafter Mircea Eliade. Wie viel Sprengkraft in diesen nationalen Erweckungsprozess lag, bekamen zuerst die Osmanen, später aber auch die Österreicher schmerzlich zu spÜren. Daran scheiterte das großartige Experiment der Donaumonarchie, dieser vorweggenommenen und so lange zum Nutzen aller funktionierenden Osterweiterung Europas. Was damit verloren ging, erfuhren wir in tragischer Weise am Ende des vergangenen Jahrtausends, als sich die Erben des ehemaligen Jugoslawiens verzweifelt anstrengten, Sir Winston Churchills vielzitierten Spruch noch einmal zu bestätigen: "AllenVölkern oder Provinzen, welche das Habsburgerreich bildeten, hat der Gewinn ihrer Unabhängigkeit Qualen eingebracht, die die alten Dichter und Theologen fÜr die Verdammten reservierten..." |
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