| 2001 - "Brücken, Wege und Stege" |
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Page 2 of 19 Die Donau – Brücken, Wege und Stege ein Essay von Ernst Trost Ein schöner Sommersonntagmorgen, aber doch noch etwas zur früh zum Aufstehen. Da mischt sich in den Gesang der Vögel das schrille Läuten des Telefons. Ungewöhnlich um diese Stunde, die Uhr zeigt ja noch nicht einmal sechs.. Ein Fotoreporter ist am Apparat: "Weißt Du schon, die Reichsbrücke ist eingestürzt." Ein schlechter Scherz, ein Traum, eine Horrorphantasie? So plötzlich aus dem Schlaf gerissen, muss man diese Unglücksbotschaft erst verarbeiten. "Das kann doch nicht wahr sein, das ist ja verrückt." Und dann stehen einem die Bilder von Wiens damals meistfrequentierten Donauübergang vor Augen, wie da an einem heißen Badetag oder auch im morgendlichen Berufsverkehr unzählige Autos, Straßenbahnen, Radfahrer und Menschen in einer endlosen Schlange über die Brücke drängen und schieben. Was hätte das für eine Katastrophe gegeben! Aber es war, dem Himmel sei Dank, erst vier Uhr 43 morgens, als an diesem 1.August 1976 ein ohrenbetäubendes Beben und Brechen die Menschen in den Gemeindebauten beiderseits des Stromes und die Schiffer im Hafen aus dem Schlaf riss. Ohne äußeren Anstoß, bei Niederwasser, einfach so, weil die Zeit gekommen war, weil ein Pfeiler genug hatte von seiner Last, waren 8965 Tonnen Beton und Stahl ins Wasser gekracht. Glücklicherweise war die Brücke um diese frühe Stunde fast leer. Nur ein einsamer Autofahrer versank in den Fluten und ertrank. Ein städtischer Autobus ohne Passagiere blieb auf der Ausfahrt hängen. Der Fahrer kam mit nassen Füßen und dem Schrecken davon. |
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