|
2001 - "Brücken, Wege und Stege" |
|
|
Page 15 of 19
Am 12. Oktober 1435 pilgerten die Straubinger zur Donau, um zu erleben, wie die junge Frau von der Brücke in die Fluten geworfen wurde. Man kennt den genauen Standort dieser Brücke nicht mehr. So ist jetzt eben die modernste der Straubinger Brücken nach Agnes Bernauer benannt.
Brücken bringen nicht nur Menschen und Völker zueinander, sie sind auch Geschichtsmarkierungen. In ihrer Gegenwärtigkeit steckt oft viel Vergangenheit. Da und dort stehen sie trotz all ihrer Verbindungsfunktion auch für all das, was die Bewohner der beiden Ufer voneinander trennt oder sie werden zur Demonstration von Ideologie - und Machtvisionen - wie etwa die Linzer Nibelungenbrücke. Sie ist ein Geschenk Hitlers an die Stadt, die er in die schönste Donaumetropole verwandeln wollte. Aus heimatlicher Verbundenheit, und vor allem, weil ihm die Linzer im März 1938 in so überschwänglichem Begeisterungstaumel empfangen hatten. Von 1945 bis 1955 wurde sie dann zum Mahnmal für den totalen Bankrott des III. Reiches. Auf der Linzer Seite standen amerikanische Wachposten, auf der Urfahrer sowjetische. Die GIs unterhielten sich einige Jahre damit, die aus der Russenzone kommenden Leute mit Desinfektionsmittel zu besprühen, während man bei den Sowjets nie wusste, wie lange die Kontrolle dauern und was der Posten mit dem damals so lebenswichtigen Ausweis, der viersprachigen Identitätskarte, anfangen würde. Und eingedenk so mancher von den Russen auf der Brücke verhafteter und danach verschleppter Österreicher fiel Landeshauptmann Gleißner das bittere Bonmot ein: "Wir haben die längste Brücke der Welt, sie beginnt in Washington und endet in Sibirien."
|