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2001 - "Brücken, Wege und Stege" |
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Der Tag, an dem die Reichsbrücke eingestürzt ist - kaum ein Wiener im richtigen Alter, der sich nicht daran erinnern kann. Da bleibt eine Markierung im Gedächtnis. Es ist einer jener Tage, die sich im Gehirn verankern, weil da das Unausdenkbare, Unvorstellbare Wirklichkeit geworden ist, so als ob die Welt aus den Angeln gehoben worden wäre. Wie viele Millionen Wiener haben doch diese Brücke benützt, und ihre Vorgängerin seit der Donauregulierung anno Kaiser Franz Joseph I. Von 1872-1876 wurde sie über das noch trockene Bett des aus einem Netz von verzweigten Donauarmen geschaffenen Hauptstromes gelegt, 1019,7 Meter lang, ursprünglich 11,4 Meter breit, mit mächtigen turmartigen Pfeilern und vier Stromöffnungen von je 80 Meter Lichtweite, damit die Schifffahrt nicht behindert würde. Und sie wurde auf den Namen des nächsten Kaisers getauft - Kronprinz-Rudolf-Brücke. So glaubte man, doch dann, 13 Jahre später, als Rudolf 1889 seine Geliebte Mary Vetsera und sich erschoss, wurde die Brücke zu einer ständigen Mahnung an die Mayerling-Tragödie. Und 1919 nach dem Ende der Habsburgerherrschaft und des Reiches wurde sie in Reichsbrücke umbenannt.
In den Dreißigerjahren bekämpfte die Regierung die Arbeitslosigkeit mit einigen Großprojekten. Dazu gehörte auch der Neubau der Reichsbrücke. Konzipiert wurde sie von dem Architektenteam Siegfried Theiß und Hans Jaksch. Die beiden hatten eben mit dem ersten Wiener Hochhaus in der Herrengasse Furore gemacht. Für die künstlerische Gestaltung war Clemens Holzmeister verantwortlich Nach drei Jahren, 1937 konnte Kardinal Innitzer die elegante, etwas breitere Brücke einweihen, und der christlichsoziale Bundespräsident Miklas hielt eine salbungsvolle Rede. Und in den Apriltagen 1945, als die Sowjets Wien eroberten, verhinderten Kommandos der russischen Donauflotille gemeinsam mit Leuten von der Widerstandsbewegung in einem Handstreich die Sprengung der Brücke durch die SS. Sie war nach dem Krieg der einzige unzerstörte Wiener Donauübergang. Und als "Brücke der Roten Armee" erfüllte sie in den Besatzungsjahren ihre Pflicht. Für die Wiener blieb sie die Reichsbrücke - bis sie auf einmal nicht mehr da war. Die Ursache des Einsturzes - in den Dreißigerjahren dürfte eine Baufirma für die eigene Tasche gearbeitet haben, und beim Beton für die Pfeiler mindere Qualität verwendet haben.
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